IPIP-NEO

Neurotizismus · Facette N5

ImpulsivitätN5

Impulsivität, im Originalfragebogen unter dem Namen Immoderation geführt, misst, wie laut ein Verlangen in dem Moment ruft, in dem es auftaucht. Gefragt wird nicht, worauf du Lust hast, sondern was ein Nein dich kostet. Bei hohen Werten zieht das Verlangen wie eine Strömung, bei niedrigen bleibt es ein Vorschlag, an dem man vorbeigeht.

  • Fünfte Facette des Neurotizismus
  • Im Original: Immoderation
  • 135.947 Profile in den Normen
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Wonach die zehn Aussagen fragen

Gemessen wird die Lautstärke des Verlangens und der Preis des Aufschubs. Die Aussagen berühren das Essen über die Sättigung hinaus, Geld, das ungeplant vom Konto geht, und das Angenehme, das weiterläuft, obwohl der Schlusspunkt längst verabredet war. Welcher Appetit dich betrifft, spielt dabei keine Rolle. Die Skala interessiert allein die Kraft des Sogs.

Zum Neurotizismus gehört die Facette, weil eine verlorene Runde gegen das eigene Verlangen bei den meisten Menschen Ärger über sich selbst hinterlässt. Ungefähr dort endet die Familienähnlichkeit auch schon. Von den sechs Skalen der Dimension hält diese am lockersten mit: 0,44 mit den übrigen fünf, der niedrigste Wert der sechs. Ihre festeste Verbindung im ganzen Modell liegt außerhalb des eigenen Hauses, nämlich minus 0,53 zur Besonnenheit aus der Gewissenhaftigkeit.

Ein einzelner Abend beweist nichts. Die Packung leert irgendwann jeder, und nach einer harten Woche greift jede Hand nach dem, was leicht zu haben ist. Diese Skala liest die unauffällige Woche: wie oft der Sog gewinnt, wenn gerade nichts schiefgelaufen ist, und wie viel Aufmerksamkeit das Gegenhalten still verbraucht.

In der Fachliteratur heißt dieses Gebiet meist Impulsivität, im IPIP-NEO selbst trägt die Skala den Namen Immoderation, und ältere Texte sprechen von fehlender Mäßigung. Unsere Aussagen stammen aus dem frei verfügbaren Itempool, den Johnson für seine Fassung sortiert hat.

Drei Nachbarn, drei falsche Lesarten

Der Name dieser Skala zieht Bedeutungen an, die sie nie gemessen hat. Drei davon werden regelmäßig in einen hohen Wert hineingelesen, und jede verschiebt ihn in eine andere Richtung.

Selbstdisziplin (C5)

Die beiden sind nicht zwei Enden eines Lineals. Hier geht es darum, was ein Nein kostet, bei der Selbstdisziplin darum, ob die Arbeit weiterläuft, wenn nichts daran lockt. In unseren Daten steht das Paar bei minus 0,41: ein Zusammenhang, kein Spiegelbild. Genau in diesem Abstand wohnt der Mensch, der jede Aufgabe zu Ende bringt und um elf trotzdem den Kühlschrank leert.

Sucht

Das hier ist eine Persönlichkeitsmessung, und eine Schwelle gibt es auf der ganzen Länge der Skala nicht. Eine Abhängigkeit erkennt man am Schaden, an der über Monate und nicht über Minuten verlorenen Kontrolle und daran, was passiert, wenn die Gewohnheit wegfällt; beurteilt wird das von einer Fachperson im Gespräch. Die große Mehrheit am oberen Rand dieser Skala kommt nie dorthin, und diese Seite prüft nichts dergleichen.

Erlebnishunger (E5)

Das laute Erlebnis zu suchen und ein Verlangen nicht aufschieben zu können sind fast unabhängig voneinander: Das Paar liegt bei 0,24. Wer für schnelle Abfahrten lebt, klappt den Laptop um zehn ohne Mühe zu, und wer nie schneller als mit dem Fahrrad unterwegs war, verliert den Abend trotzdem an die nächste Folge.

Zwei Arten, damit zu leben

Kein Ende ist der bessere Charakter. Das eine bezahlt mit Aufwand, das andere mit gedämpfter Freude, und die Mitte zahlt von beidem ein wenig.

Hohe Werte: das Verlangen kommt laut

Freude kommt bei dir vollständig und sofort an, und das ist etwas wert: Essen, Musik und Gesellschaft erreichen dich wirklich, statt an dir vorbeizuziehen. Die Rechnung entsteht in der Lücke zwischen Wollen und Entscheiden. Deine ist schmal, deshalb ist die Wahl oft schon getroffen, bevor die Gründe für die andere Möglichkeit fertig zusammengetragen sind.

  • Aus einer Folge werden drei, und entschieden hat das niemand
  • Was dir gefällt, gefällt dir laut und ohne Ironie
  • Der Plan für den Abend hält bis zum ersten bequemeren Angebot
  • Anfangen war nie das Problem, Aufhören schon

Etwas jetzt zu wollen ist bei dir eine starke Strömung. Der Kampf dagegen ist keine Charakterschwäche, sondern ein lauteres Signal, das Steuerung braucht. Struktur hilft dir mehr als Scham.

Niedrige Werte: der Sog bleibt leise

Ein Nein kostet dich wenig. Nachschlag, Rabattaktion und offener Tab ziehen ohne inneres Verhandeln vorbei, und die Stunden und das Geld, die andere in dieses Feilschen stecken, bleiben bei dir liegen. Mitgeliefert wird eine gewisse Distanz: Was andere unwiderstehlich nennen, kommt bei dir in normaler Lautstärke an, und Geduld mit den Verlierern dieser Sache musst du absichtlich einschalten.

  • Du hörst dort auf, wo du es vorher angekündigt hast
  • Rabatte und kostenlose Testphasen lassen dich kalt
  • Eine halbe Tafel Schokolade überlebt bei dir die Woche
  • Den Satz „Ich konnte nicht anders“ verstehst du nur mit dem Kopf

Gelüste flüstern bei dir, statt zu schreien. Bei einem aufhören, sparen statt ausgeben, die App schließen: das kostet dich wenig Willenskraft.

Im mittleren Band stehen vier von zehn Profilen, und es wirkt wie eine Verhandlung mit anständiger Bilanz. An manchen Abenden gewinnt der Sog eine Runde, an den meisten nicht, und bis zum Morgen hat keine der beiden Seiten eine Spur hinterlassen.

Niedrig, durchschnittlich und hoch folgen der Perzentilkonvention 30/40/30 von Johnson und keiner klinischen Grenze. Beschrieben wird ein Appetit, keine Störung und kein Urteil über deinen Charakter, und diagnostiziert wird auf dieser Seite niemand.

Wie die Werte sich verteilen

Der Rohwert ist die Summe aus zehn Antworten und liegt damit zwischen 10 und 50 Punkten. Gezeichnet ist die Kurve darunter aus 135.947 vollständigen Durchgängen der Fassung mit 300 Items, und sie fällt eng aus: Enger als hier drängen sich die Menschen auf keiner anderen Skala dieser Dimension.

Wichtige Perzentile als Tabelle
PerzentilRohwert
1023
2528
5033
7538
9042

Die mittlere Hälfte der Männer liegt zwischen 27 und 36 Punkten, die der Frauen zwischen 28 und 38, die Mediane bei 31 und 33. Der Schwerpunkt steht höher als bei jeder anderen Skala des Neurotizismus, deshalb sind rohe 32 Punkte hier gewöhnlich und kein Alarm. Ein Perzentil vergleicht dich mit Testteilnehmern deines Geschlechts und Alters.

Was Geschlecht und Alter tun

Zwei Gruppenunterschiede treten in den Daten hervor, und der größere von beiden ist nicht der, an den zuerst gedacht wird.

Frauen kommen im Mittel auf 32,9 Punkte, Männer auf 31,0: 1,9 Punkte Abstand auf einer Spanne von 40 Punkten und damit der viertgrößte Geschlechtsunterschied unter den sechs Facetten des Neurotizismus. Das Alter bewegt mehr. Beide Kurven bleiben bis etwa 40 flach und fallen danach, bei den Männern von 31,1 auf 27,8, bei den Frauen von 33,0 auf 30,1. In der ältesten Altersgruppe stecken rund 250 Personen je Geschlecht, dieser Rand bleibt ein Hinweis.

Der Platz unter den sechs

Der Neurotizismus ist die Summe aus sechs Skalen, und diese hier hält am wenigsten zu ihrer Familie: 0,44 mit den übrigen fünf, der niedrigste Wert der sechs. Am nächsten steht ihr die Niedergeschlagenheit mit 0,41, dann Reizbarkeit und Verletzlichkeit mit je 0,40; die Balken zeigen den Rest.

Woran man es im Alltag merkt

Bei der Arbeit

Bei der Arbeit sitzt das Merkmal im Kleingedruckten des Tages und nicht im Ergebnis. Termine werden gehalten, nur nimmt der Weg dorthin Umwege, die eine Kollegin mit leisen Appetiten nie nimmt. Teuer wird alles ohne Rand: ein Chatfenster, ein Browser, eine Aufgabe ohne Boden. Am unteren Ende sieht der Tag schlichter aus, und lautere Kollegen lesen diese Schlichtheit gelegentlich als Missbilligung.

Mit Menschen

Zwischen Menschen zeigt sich das als Großzügigkeit und Reibung in derselben Woche. Hohe Werte bestellen die zusätzliche Runde, dehnen den Abend und sind genau dafür gute Gesellschaft; mit ihnen beginnt zu Hause auch das Gespräch über den Kontostand. Niedrige Werte lassen sich bequem einplanen und landen leicht in der Rolle der häuslichen Rechnungsprüfung, für die sich nie jemand beworben hat.

In deiner Entwicklung

Für die eigene Entwicklung bringt mehr Vorsatz hier wenig, denn die Lautstärke des Sogs sucht sich niemand aus. Beweglich ist der Abstand zwischen Verlangen und Hand: ob das Ding überhaupt in der Wohnung liegt, ob die Karte gespeichert ist, ob Aufhören eine Entscheidung ist oder die Voreinstellung. Das ist eine Einrichtung des Alltags und kein Charakter, und deshalb führt derselbe Wert zu sehr verschiedenen Leben.

Wie fest sitzt dieser Wert?

Etwa die Hälfte der Unterschiede zwischen Menschen führen Zwillingsuntersuchungen bei Merkmalen dieser Art auf die Anlage zurück. Vom Rest geht das meiste auf Erlebnisse, die genau ein Kind hatte und das Geschwisterkind daneben nicht. Ausgesucht ist dein Niveau also nicht, vollständig mitgeliefert aber ebenso wenig: Es formt sich früh und bewegt sich danach im Takt von Jahren und nicht von Vorsätzen.

Über die Bevölkerung hinweg neigt sich die Linie nach den Dreißigern nach unten, und unsere Normen zeigen dieselbe Form: rund drei Punkte zwischen der jüngsten und der ältesten Gruppe. Gemessen wurden dafür verschiedene Personen zum selben Zeitpunkt und nicht ein Leben über vierzig Jahre hinweg, die Neigung beschreibt also eine Tendenz der Stichprobe und keinen Ablauf.

Zwei Dinge liegen hier dicht beieinander und dürfen trotzdem nicht zusammenfallen. Ein starker Appetit, mit dem jemand umgeht, ist ein Merkmal, und davon berichtet diese Skala. Eine Gewohnheit, die eine Woche nach der anderen einnimmt oder auf die Person selbst nicht mehr hört, ist eine andere Sache mit eigener Hilfe, und kein Persönlichkeitswert kann sie nachweisen oder ausschließen.

Derselbe Appetit ergibt neben hoher Besonnenheit eine handhabbare Eigenheit und neben niedriger einen sichtbaren Teil der Geschichte. Werte gegeneinander zu lesen ist die Arbeit der bezahlten Auswertung.

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So kommt die Zahl zustande

In der langen Fassung stehen 10 Aussagen hinter dieser Facette, in der kurzen 4. Jede Antwort zählt 1 bis 5 Punkte, invertierte Items werden vor dem Zusammenzählen gedreht, und die Summe wird an der Normtabelle für dein Geschlecht und deine Altersgruppe abgelesen; heraus kommt ein Perzentil. Invertiert sind hier fünf von zehn Items und in der kurzen Fassung drei von vier, das meiste ist also über Zurückhaltung formuliert und nicht über Übermaß.

IPIP-NEO-300Aussagen: 10Zuverlässigkeit, Alpha 0.79Stichprobe: 135.947
IPIP-NEO-120Aussagen: 4Zuverlässigkeit, Alpha 0.71Stichprobe: 385.801

Alpha zeigt, wie gut die Aussagen einer Skala zusammenpassen. In der Forschung gilt ab 0,70 als solide. Wir haben diese Werte selbst aus den offenen Daten von Johnson berechnet, sie lassen sich mit den veröffentlichten vergleichen.

Der Wortlaut der Aussagen steht mit Absicht nicht auf dieser Seite: Wer ein Item vorher gelesen hat, beantwortet es anders. Sichtbar werden die Items deshalb erst nach dem Start des Tests.

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Erst schätzen, dann testen

Die Schätzung vorweg ist der eigentliche Punkt. Wo du dich vermutest, bevor du geantwortet hast, sagt etwas, das der Wert allein nicht sagt: wie gut du diese Seite an dir bereits kennst.

50
Verlangen flüstertVerlangen zieht stark
Deine Schätzung
50 von 100Durchschnittlich

0 heißt niedriger als fast alle, die den Test gemacht haben, 100 heißt höher als fast alle.

Das ist eine Schätzung, keine Messung. Der Test vergleicht deine Antworten mit Normen echter Menschen.

Häufige Fragen

Warum liegt Impulsivität im Neurotizismus und nicht in der Gewissenhaftigkeit?

Weil der Preis eines verlorenen Nein im Erleben anfällt: Ärger über sich selbst und nicht ein verpasstes Ziel. Inhaltlich hat die Skala mit der Gewissenhaftigkeit trotzdem viel zu tun, und die Zahlen sagen das deutlich. Ihre drei stärksten Verbindungen nach außen sind die Besonnenheit mit minus 0,53 sowie Pflichtbewusstsein und Selbstdisziplin mit je minus 0,41, mit den eigenen fünf Schwestern kommt sie dagegen nur auf 0,44.

Bedeutet ein hoher Wert eine Sucht?

Nein. Die Skala hat keine Schwelle, also bestätigt und widerlegt kein Wert eine Abhängigkeit. Hohe Werte berichten häufiger davon, gegen alltägliche Verlangen zu verlieren, und die große Mehrheit von ihnen entwickelt nie eine. Eine Gewohnheit, die Geld oder Beziehungen kostet und auf deine Entscheidungen nicht mehr hört, gehört in ein Gespräch mit einer Fachperson und nicht in einen Fragebogen.

Ist das die Kehrseite der Selbstdisziplin?

Nein, und die Zahl sagt es: Das Paar steht bei minus 0,41, das ist ein Zusammenhang und kein Spiegel. Die Selbstdisziplin fragt, ob langweilige Arbeit weiterläuft, diese Skala fragt, was passiert, sobald etwas Angenehmes in Reichweite liegt. Das stärkste Gegengewicht ist ohnehin eine andere Facette: die Besonnenheit mit minus 0,53.

Warum liegt der Mittelwert höher als bei den anderen Facetten des Neurotizismus?

Weil die Appetite, nach denen gefragt wird, gewöhnliche sind. Der Mittelwert liegt bei 32,1 auf der Skala von 10 bis 50 und ist damit der höchste der sechs; die Verletzlichkeit kommt auf 25,7. Praktisch heißt das: Rohe 32 Punkte sind hier die Mitte, und das obere Band beginnt bei den Männern etwa bei 35 und bei den Frauen bei 37.

Wie zuverlässig ist eine Skala aus zehn Aussagen?

Alpha liegt bei 0,788 für die lange Fassung und bei 0,706 für die kurze, gerechnet an den offenen Daten von Johnson, und beide Werte sind die niedrigsten unter den sechs Skalen des Neurotizismus. Der Grund ist unspektakulär: Essen, Geld und Bildschirm sind verschiedene Appetite, und ein Mensch kann bei einem laut und beim nächsten leise sein.

Sieh nach, wo deine eigene Linie liegt

Die meisten beurteilen diese Seite an sich nach dem schlimmsten Abend und nicht nach einem durchschnittlichen, deshalb gehen Schätzung und Zahl hier so oft auseinander. Die lange Fassung stellt pro Facette 10 Aussagen, die kurze 4, und beide kosten nichts.

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