Wonach die Skala Reizbarkeit fragt
Die Skala misst eine Schwelle. Die Aussagen kreisen darum, wie wenig es braucht, bis Ärger da ist, wie stark er sich anfühlt und wie schnell du wieder unten bist. Keine einzige fragt, ob der Ärger berechtigt war oder was im nächsten Moment geschah. Zwei Menschen mit demselben Wert können von außen völlig verschieden wirken: Der eine spricht jeden Ärger sofort aus, der andere trägt ihn abends noch mit sich, ohne dass irgendjemand davon erfahren hätte.
Die Facette gehört zum Neurotizismus, der Dimension, die negatives Empfinden jeder Art sammelt, und sie ist darin die nach außen gerichtete Schwester. Die Ängstlichkeit zielt auf das, was kommen könnte, die Niedergeschlagenheit auf die eigene Person, die Reizbarkeit auf das Hindernis unmittelbar vor dir. Der Ängstlichkeit steht sie mit 0,63 am nächsten, dem neuntstärksten Zusammenhang unter allen 435 Facettenpaaren des Modells.
Ein Wert beschreibt eine Grundeinstellung und keine Stimmung. Nach einer schlechten Woche oder einem unhöflichen Fremden läuft jeder heißer, und der Fragebogen versucht gar nicht erst, so etwas einzufangen. Geschätzt wird, wie viel ein gewöhnlicher Tag an Anlässen liefern muss, bevor überhaupt Hitze entsteht.
In der Fachliteratur trägt dieselbe Skala den Namen Angry Hostility, so heißt die zweite Facette des Neurotizismus in der klassischen Sechsteilung; benachbarte Arbeiten sprechen von Trait-Ärger oder von Irritabilität. Die Aussagen selbst stehen frei zur Verfügung, herausgegeben hat sie Johnson.