Was auf dieser Skala gezählt wird
Die Aussagen erkundigen sich nach dem Weg zum Ziel: ob Schmeichelei ein normales Mittel ist, ob du einen vorzeigbaren Grund nennst und den eigentlichen für dich behältst, ob eine nützliche Halbwahrheit sich wie gutes Handwerk anfühlt. Ein hoher Wert heißt, dass der ausgesprochene Grund der tatsächliche ist. Keine einzige Aussage fragt danach, ob du Versprechen einhältst oder ob jemand Schaden nahm, damit du weiterkamst.
Der deutsche Name trifft die Sache besser als der englische, wo dieselbe Skala Morality heißt und damit fast jeden in die Irre schickt. Im Fachschrifttum läuft sie meist als Straightforwardness, auf Deutsch Geradlinigkeit, und darum geht es hier: um Offenheit im Umgang mit Menschen, nicht um Gewissen, nicht um Werte, nicht um Taten. Geprüft wird weder deine Anständigkeit noch, ob irgendetwas Gesagtes stimmte, denn Lügen bekommt ein Fragebogen nie zu fassen.
Das untere Ende hat sein eigenes Können. Den Raum lesen, eine Auskunft zurückhalten, bis das Ausspielen etwas einbringt, eine Bitte so zuschneiden, dass ein Ja möglich wird: darauf laufen Verhandlung und Diplomatie hinaus, und wer das beherrscht, verdient damit sein Brot. Die Skala stellt dich zwischen zwei Fertigkeiten, die beide gebraucht werden, und nicht zwischen sauber und unsauber.
In Fachaufsätzen heißt dieselbe Skala Straightforwardness, ältere deutschsprachige Arbeiten sprechen von Geradlinigkeit oder von Freimut. Der Wortlaut hier stammt aus dem frei nutzbaren IPIP-Pool in der Fassung, die Johnson herausgegeben hat; kommerzielle Fragebogen sind daran nicht beteiligt.