IPIP-NEO

Offenheit für Erfahrungen · Facette O5

IntellektO5

Der Intellekt ist die Facette der Offenheit für die Lust am Denken selbst. Gefragt wird nach abstrakten Fragen, nach Argumenten und nach verwickelten Problemen, nie danach, ob deine Antworten stimmen: Der Name verspricht eine Prüfung der Fähigkeiten, die hier nirgends stattfindet. Wer hoch liegt, hält eine schwere Frage für einen gelungenen Abend. Wer niedrig liegt, will das Ergebnis.

  • Fünfte Facette der Offenheit
  • 10 Aussagen, fünf davon gedreht
  • Größter Männervorsprung der 30 Facetten
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Was diese Facette misst

Der Intellekt misst im Big Five den Appetit und nicht das Können. Die zehn Aussagen fragen, ob dich eine abstrakte Debatte reizt und ob ein verwickeltes Problem dich bei der Sache hält. Richtig und falsch kommen dabei nicht vor: Aufgaben stellt dieser Test niemandem, und keine Antwort wird mit einer Lösung verglichen.

Die Facette besetzt die streitbare Hälfte der Offenheit für Erfahrungen. Die Fantasie arbeitet in Bildern, der Sinn für Ästhetik an dem, was ergreift, die Emotionalität am eigenen Gefühl; der Intellekt arbeitet an Fragen ohne festen Boden. Am nächsten steht ihm die Fantasie mit 0,416, das engste Paar dieser Familie, und selbst dort bleibt der größere Teil der Bewegung ungeteilt.

Zwei weitere Zahlen zeigen den Charakter der Skala. Außerhalb der eigenen Dimension läuft sie mit der Selbstwirksamkeit zu 0,392 mit, fast so eng wie mit der nächsten Schwester im eigenen Haus, und von der Verletzlichkeit weg mit minus 0,334. Ein Teil des Gemessenen ist demnach Zutrauen zum eigenen Kopf. Das ist Grund genug, das Ergebnis als Geschmack zu lesen und nicht als Zeugnis.

In der Fachliteratur trägt die Skala den Namen Ideen, so heißt sie in der klassischen Sechsteilung der Offenheit; das weitere Feld läuft unter intellektueller Neugier oder Bedürfnis nach Kognition. Unsere Items stammen aus dem gemeinfreien IPIP-Satz, den Johnson dokumentiert hat.

Was der Intellekt nicht ist

Auf dieser Seite richtet der Name den größten Schaden an. Drei Lesarten liegen daneben, jede auf ihre eigene Weise, und jede verschiebt, was deine Zahl bedeutet.

Ein Intelligenztest

Nichts wird hier auf Richtigkeit geprüft. Du bekommst kein Rätsel und keine Rechenaufgabe vorgelegt, sondern die Frage, was dir liegt und was du meidest, und eine Selbstauskunft über Vorlieben kann Können nicht messen. Freude an schweren Fragen und Begabung für sie treffen sich im Leben oft und gehen oft genug getrennte Wege, um zwei verschiedene Wörter zu brauchen. Der deutsche Name legt eine Note nahe, die es hier nicht gibt.

Bildung und Belesenheit

Ein Abschluss hält fest, was jemand durchlaufen hat, und nicht, wonach jemand von sich aus greift. Deshalb landen Leute mit dicken Zeugnissen manchmal im unteren Band, während andere ohne langen Bildungsweg oben stehen. Wissen sammelt sich dort, wo die Gelegenheit war; der Appetit braucht weder eine Erlaubnis noch einen Stundenplan. Über Bildungsstand oder Einkommen sagt dieser Wert nichts, dazu liegen uns keine Daten vor.

Fantasie (O1)

Mit 0,416 ist das das engste Paar innerhalb der Offenheit und trotzdem sind es zwei verschiedene Arten von Hunger. Die Fantasie stellt hin, was nicht da ist, der Intellekt nimmt auseinander, was da ist. Man kann eine Stunde über den freien Willen streiten, ohne einmal in etwas Erfundenes abzubiegen, und der umgekehrte Fall kommt genauso häufig vor.

Zwei Arten, mit Ideen zu leben

Kein Ende ist das klügere. Das eine kauft Reichweite und zahlt mit Geduld, das andere kauft Bodenhaftung und zahlt mit Spannweite.

Hoher Wert: das Abstrakte ist der Ruheplatz

Eine schwere Frage fühlt sich nicht nach Arbeit an, sondern nach dem besseren Teil des Tages. Du greifst nach dem Prinzip unter dem Beispiel und fragst nach, was ein Wort eigentlich heißen soll. Die Rechnung heißt Geduld: Ein Gespräch, das bei der Organisation bleibt, wird schnell schal, und das Modell im Kopf kann wichtiger werden als die Sache, die es beschreibt.

  • Ein anspruchsvolles Buch gilt dir als Feierabend und nicht als Hausaufgabe
  • Vor einer Regel willst du die Begründung hinter ihr hören
  • Ein Gespräch ohne Einsatz macht dich nach kurzer Zeit unruhig
  • Du hältst zwei Lesarten aus, solange eine Frage offen bleibt

Ideen sind dein Spielplatz. Theorien, Modelle und harte Fragen geben dir Energie, und ein Gespräch, das beim Smalltalk bleibt, lässt dich hungrig zurück.

Niedriger Wert: gedacht wird am Konkreten

Ideen verdienen Aufmerksamkeit, indem sie irgendwohin führen. Du fragst, was sich ändert, wenn eine Theorie zutrifft, und wenn dabei kaum etwas herauskommt, gehst du weiter. An wirklichen Menschen und harten Grenzen wird dein Denken scharf. Bezahlt wird mit der nützlichen Abstraktion: Ein Prinzip, das eine Woche Arbeit erspart hätte, klingt an diesem Ende leicht nach Gerede.

  • Lieber siehst du eine Sache laufen, als zu hören, warum sie laufen sollte
  • Ein theoretischer Umweg wirkt wie ein Termin ohne Tagesordnung
  • Deine erste Frage lautet, was eine neue Idee am Montag ändert
  • Ein Streit über Definitionen verliert für dich früh den Reiz

Du denkst am besten über Konkretes nach: echte Menschen, echte Probleme, echte Termine. Abstrakte Debatten wirken wie Wortspiele, wenn Arbeit wartet.

Vier von zehn Profilen stehen im mittleren Band, und dieses Band liegt hier über der halben Skala: Der Median beträgt 41 bei Männern und 39 bei Frauen von 50 möglichen Punkten. Ein mittlerer Wert heißt, dass Ideen willkommen sind, sofern sie zu etwas führen.

Niedrig, durchschnittlich und hoch teilen die Stichprobe nach der Konvention 30/40/30, auf der diese Normen aufgebaut sind. Ein Band ist kein Befund darüber, wie klug jemand ist; für diese Frage wurde die Skala nie gebaut.

Wo die Werte liegen

Jede der zehn Antworten ist 1 bis 5 Punkte wert, ein Rohwert liegt also zwischen 10 und 50. Die Kurve unten stammt aus 135.947 abgeschlossenen Durchgängen der langen Fassung.

Wichtige Perzentile als Tabelle
PerzentilRohwert
1030
2535
5040
7545
9049

Bei Männern liegt der Median bei 41 und bei Frauen bei 39, deshalb stehen rohe 40 Punkte im 45. Perzentil der Männer und im 56. der Frauen. Verglichen wirst du mit Teilnehmenden gleichen Geschlechts und gleicher Altersgruppe, die diesen Fragebogen freiwillig im Netz ausgefüllt haben.

Geschlecht und Alter

Diese Facette hält den größten Männervorsprung des ganzen Inventars, und sie wohnt in der Dimension, in der auch zwei der größten Frauenvorsprünge stehen.

Männer kommen im Mittel auf 40,1 Punkte, Frauen auf 38,2. Der Abstand von 1,9 ist der größte Männervorsprung aller dreißig Facetten, und nur sechs von ihnen neigen überhaupt in diese Richtung. In derselben Familie kippen der Sinn für Ästhetik und die Emotionalität mit 3,9 und 3,7 zur anderen Seite, weshalb die Offenheit insgesamt die Frauen um rund 5 Punkte vorn zeigt. Das Alter nimmt hier nichts weg, sondern legt zu: Beide Kurven steigen bis in die Lebensmitte und bleiben dann stehen.

Der Intellekt unter den sechs Facetten der Offenheit

Die Offenheit ist die lockerste der fünf Familien: Zwei ihrer Facetten teilen im Mittel 0,29, gegenüber 0,48 innerhalb der Gewissenhaftigkeit. Eine Zahl lohnt hier das Mitnehmen, weil sie die flachste von allen ist: Diese Skala und die Herzlichkeit stehen bei minus 0,004, praktisch bei nichts.

Wo es im Alltag auffällt

Bei der Arbeit

Bei der Arbeit zeigt sich ein hoher Wert in der Phase, in der die Frage noch gestellt wird. Du fragst, welches Problem wirklich auf dem Tisch liegt, dir fällt auf, wenn zwei Abteilungen ein Wort für zwei Dinge benutzen, und du hältst es aus, dass noch nichts entschieden ist. Bezahlt wird mit Geduld für die Details der Ausführung und mit dem Zug, gut genug beantwortete Fragen wieder aufzumachen. Ein niedriger Wert hält die Sache dagegen am Boden und in Bewegung.

Mit Menschen

In nahen Beziehungen ist dieser Appetit leicht zu genießen und leicht zu überziehen. Ein langes Gespräch ohne Ziel gilt am oberen Ende als echtes Vergnügen, und derselbe Reflex macht aus einer Bemerkung über den Abwasch eine Grundsatzdebatte über Fairness, nach der niemand gefragt hat. Am unteren Ende bleibt der Austausch bei der Sache, um die es geht.

In deiner Entwicklung

In der eigenen Entwicklung liegt der nützliche Schritt an beiden Enden anders. Wer hoch liegt, braucht selten mehr Zufluss; der Gewinn steckt in der Auswahl der Fragen, die man liegen lässt, denn ein Appetit ohne Grenze verteilt sich dünn über ein Dutzend halb gelesene Themen. Wer niedrig liegt, gewinnt mit einer geborgten Abstraktion auf einmal, mit dem Prinzip, das wiederkehrende Arbeit spart.

Lässt sich das ändern?

Auf die Frage, wie viel von der Streuung eines Big-Five-Merkmals vererbt ist, antworten Zwillingsstudien mit ungefähr der Hälfte. Der übrige Teil geht großenteils auf Erlebnisse zurück, die Kinder desselben Haushalts gerade nicht miteinander teilen. Bewegungsraum gibt es demnach, und er ist eng: Wo du neben anderen Menschen stehst, gehört über ein Jahrzehnt zu den beständigeren Angaben über dich. Verschieben lässt sich eher, worauf die Neugier gerichtet ist, als wie kräftig sie ausfällt.

Über die Lebensspanne bleibt das Bild ruhig. Männer liegen unter 21 Jahren im Mittel bei 39,0, zwischen 21 und 40 bei 40,8 und zwischen 41 und 60 bei 41,1; die Kurve der Frauen läuft in derselben Form rund zwei Punkte tiefer. Bemerkenswert ist die Richtung: Die nächste Nachbarin Fantasie fällt mit den Jahren, diese Skala legt bis zur Lebensmitte leicht zu. In der ältesten Gruppe stehen je Geschlecht ein paar hundert Personen, dieses Ende ist ein Hinweis. Die Tabellen stellen verschiedene Menschen nebeneinander und verfolgen niemanden über die Jahre.

Eine einzelne Zahl sagt nicht, wofür dieser Hunger ausgegeben wird. Neben einem hohen Leistungsstreben wächst daraus Fachkönnen, neben einem niedrigen ein langes Regal halb begonnener Interessen. An solchen Paarungen arbeitet die bezahlte Auswertung.

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Wie diese Facette gemessen wird

Die Fassung mit 300 Items misst den Intellekt mit 10 Aussagen, die mit 120 Items mit 4. Jede Antwort zählt 1 bis 5 Punkte, und fünf der zehn Aussagen sind gegenläufig formuliert, Zustimmung senkt dort also die Summe. In der kurzen Fassung sind drei der vier gegenläufig. Die Summe wird an der Normtabelle für dein Geschlecht und deine Altersgruppe abgelesen, und daraus entsteht das Perzentil.

IPIP-NEO-300Aussagen: 10Zuverlässigkeit, Alpha 0.85Stichprobe: 135.947
IPIP-NEO-120Aussagen: 4Zuverlässigkeit, Alpha 0.75Stichprobe: 385.801

Alpha zeigt, wie gut die Aussagen einer Skala zusammenpassen. In der Forschung gilt ab 0,70 als solide. Wir haben diese Werte selbst aus den offenen Daten von Johnson berechnet, sie lassen sich mit den veröffentlichten vergleichen.

Die Aussagen bleiben mit Absicht von dieser Seite fern. Wer sie vorher kennt, beantwortet sie anders, deshalb begegnen sie dir erst im laufenden Test.

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Zuerst raten, dann nachmessen

Schieb den Regler dorthin, wo du dich gegenüber der übrigen Stichprobe vermutest, mach danach den Test und sieh nach, wie weit die Schätzung daneben lag.

50
Praktische GesprächeIdeen als Spielwiese
Deine Schätzung
50 von 100Durchschnittlich

0 heißt niedriger als fast alle, die den Test gemacht haben, 100 heißt höher als fast alle.

Das ist eine Schätzung, keine Messung. Der Test vergleicht deine Antworten mit Normen echter Menschen.

Was oft gefragt wird

Ist Intellekt dasselbe wie Intelligenz?

Nein, und die beiden werden nicht einmal gleich erhoben. Diese Skala fragt nach Vorlieben und nach Vermeidung, ein Fähigkeitstest fragt nach richtigen Antworten unter festen Bedingungen. Unsere eigenen Zahlen weisen auf den Geschmack: Die stärkste Verbindung außerhalb der Offenheit besteht zur Selbstwirksamkeit mit 0,392, und das ist Zutrauen und nicht Können.

Welcher Rohwert gilt hier als hoch?

Das obere Band öffnet bei Männern nahe 45 Rohpunkten und bei Frauen nahe 43 von 50, weil die ganze Skala hoch liegt. Vor dem Blick auf die eigene Summe lohnt eine Zahl: 40 Punkte stehen im 45. Perzentil der Männer und im 56. der Frauen, also näher an der Mitte als an der Decke.

Warum liegen Männer bei dieser Facette höher?

In unserer Stichprobe stehen Männer bei 40,1 und Frauen bei 38,2, der größte Männervorsprung der dreißig Facetten und dabei keine zwei Punkte auf einer Spanne von vierzig. Beide Verteilungen liegen fast vollständig übereinander. Selbstauskünfte greifen mit auf, wie zuversichtlich jemand über den eigenen Kopf spricht, das ist eine der diskutierten Erklärungen. Über eine einzelne Person sagt ein Mittelwert nichts.

Wie unterscheidet sich der Intellekt von der Offenheit selbst?

Die Offenheit für Erfahrungen ist die Dimension, der Intellekt eine ihrer sechs Facetten. Mit der Dimension hängt er zu 0,699 zusammen und mit den fünf übrigen Facetten gemeinsam zu 0,515, in dieser Familie der zweite Platz hinter dem Sinn für Ästhetik. Ein mittlerer Wert in der Dimension kann große Lust am Argument neben null Interesse für Kunst verbergen.

Heißt ein niedriger Wert oberflächliches Denken?

Nein. Ein niedriger Wert sagt, woran das Denken Halt findet: an konkreten Aufgaben, an wirklichen Menschen, an Entscheidungen mit Folgen. Sehr genaue und anstrengende Arbeit entsteht ohne jeden Geschmack am Abstrakten, und viel abstraktes Reden ist kein Denken. Die Skala ordnet nach Vorliebe und nie nach Tiefe.

Wie verlässlich ist eine Skala aus zehn Aussagen?

Alpha liegt bei 0,853 für die Fassung mit zehn Aussagen und bei 0,746 für die mit vier, gemessen an den offenen Daten von Johnson. Beide halten. Die kurze Fassung gibt auf Facettenebene Genauigkeit ab, das ist der Preis dafür, in einem Viertel der Zeit fertig zu sein.

Sieh nach, wo dein Appetit auf Ideen liegt

Am Ende legen beide Fassungen alle dreißig Facetten samt Perzentil offen: die lange, wenn es auf Facettenebene genau werden soll, die kurze, wenn nur zehn Minuten übrig sind.

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