IPIP-NEO

Extraversion · Facette E5

ErlebnishungerE5

Erlebnishunger ist die Größe der Dosis, die ein Tag braucht, damit er sich lebendig anfühlt. Nicht Mut, nicht Leichtsinn: wie viel Lärm, Tempo und Neues dein System verlangt, bevor ein gewöhnlicher Abend als interessant durchgeht. Hohe Werte gehen dieser Dosis nach, niedrigen reicht dafür ein stilles Zimmer.

  • Fünfte Facette der Extraversion
  • Zehn Aussagen im langen Test
  • Sinkt mit dem Alter am stärksten
  • Kostenlos und ohne Anmeldung

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Was hier gemessen wird

Erlebnishunger misst, wie stark ein Reiz sein muss, bevor er bei dir überhaupt etwas auslöst. Die Aussagen kreisen um Lärm, Tempo, Menschenmengen, grelle Orte und den Zug, etwas Riskantes allein des Gefühls wegen zu tun. Keine einzige fragt, ob du diesem Zug auch nachgibst. Gemessen wird der Appetit und nicht die Mahlzeit.

Die Facette gehört zur Extraversion, neben Herzlichkeit, Geselligkeit und Aktivität, und sie sitzt in dieser Familie auffällig locker: Mit dem Rest der eigenen Dimension läuft sie nur zu 0,48 mit. Ein sehr geselliger Mensch kann sich also nichts Lauteres wünschen als ein langes Abendessen. Die kräftigste Zahl auf ihrer Karte gehört ohnehin keiner Schwester: Mit der Besonnenheit, die drüben in der Gewissenhaftigkeit wohnt, steht sie bei minus 0,57.

Ein Wert beschreibt ein Grundniveau und keine Saison. Derselbe Flur langweilt nach einem Monat jeden, und nach einer lauten Woche hat umgekehrt auch jeder genug. Die Skala hält die Höhe fest, auf die der Appetit nach beidem zurückkommt. Ausgerechnet diese Höhe ist auf dieser Seite das Einzige, was sich über ein Leben deutlich verschiebt, und sie verschiebt sich bei fast allen in dieselbe Richtung.

In der Forschung heißt dasselbe Gebiet meist Sensation Seeking, nach den Arbeiten von Zuckerman; auf Deutsch liest man auch Reizsuche oder Sensationslust. Unsere Items stammen aus dem frei verfügbaren IPIP-Satz von Johnson.

Drei Dinge, die das nicht ist

Das Wort Nervenkitzel zieht drei benachbarte Ideen hinter sich her, und jede davon verschiebt, was ein hoher Wert bedeutet.

Sensation Seeking nach Zuckerman

Das Konstrukt von Zuckerman ist älter und breiter: Es fasst die Lust auf Nervenkitzel und Abenteuer, die Jagd nach Neuem, die Enthemmung und die schlechte Verträglichkeit von Langeweile in einer einzigen Größe zusammen. Unsere Facette nimmt den Kern davon und legt ihn auf die Karte der Big Five. Die beiden überlappen deshalb stark, austauschbar sind sie nicht.

Abenteuerlust (O4)

Beide Skalen mögen das Unvertraute und laufen mit 0,43 zusammen, aber sie wollen Verschiedenes davon. Die Abenteuerlust gehört zur Offenheit und meint das Unbekannte: fremdes Essen, eine unbekannte Stadt, ein ungewohnter Gedanke. Hier dagegen geht es um Intensität, also um Lautstärke, Tempo und körperliches Risiko. Man kann aus Flugzeugen springen und jahrelang dasselbe Gericht bestellen.

Impulsivität (N5)

Das ist nicht die zweite Hälfte derselben Sache, auch wenn die beiden Wörter auf Deutsch fast wie Synonyme klingen. Einen starken Reiz zu wollen und ihn nicht aufschieben zu können, sind zwei getrennte Mechanismen: Hier hängen sie nur zu 0,24 zusammen, und zur Selbstdisziplin sind es minus 0,07. Eine gefährliche Bergtour lässt sich ein Jahr lang vorbereiten, ohne dass daran irgendetwas impulsiv wäre.

Beide Enden funktionieren

Das eine gesunde Ende gibt es hier nicht. Was die Pole trennt, ist die Größe der Dosis, und jede Größe bringt ihre eigene Rechnung mit.

Hoher Erlebnishunger: Die Dosis muss groß sein

Hell, schnell und laut kommt bei dir so an, wie bei anderen das Gewöhnliche ankommt, also gehst du danach suchen. Du schlägst die Reise vor, die niemand geplant hat, nimmst die Aufgabe mit dem Drama darin und hältst eine Runde über Mitternacht wach. Die Rechnung kommt als Langeweile, und Langeweile ist hier ein echter Posten und keine Laune.

  • Eine ruhige Woche kommt dir wie eine verlorene Woche vor
  • Du meldest dich für den Teil der Arbeit, den andere riskant nennen
  • Fertige Pläne änderst du unterwegs, allein der Abwechslung wegen
  • Laut, schnell und voll lädt dich auf, statt dich platt zu machen

Du hungerst nach Intensität: Tempo, Lärm, Risiko, neue Eindrücke. Langeweile tut dir körperlich weh, und dieser Hunger will bewusst gefüttert werden, sonst füttert er sich selbst.

Niedriger Erlebnishunger: Eine kleine Dosis reicht weit

Du holst dort alles heraus, wo bei einem Freund des Nervenkitzels gar nichts passieren würde: ein bekannter Weg, ein langes Essen, ein zu Ende gelesenes Buch. Nichts muss lauter gedreht werden, damit ein Tag zählt, und das macht dich zu verlässlicher Gesellschaft. Die Rechnung steht am Rand: Die Reise, für die sich das Unbequeme gelohnt hätte, sagst du ab.

  • Einen guten Abend wiederholst du lieber, als einen neuen zu wagen
  • Tempo und Lärm kosten dich Kraft, statt dir welche zu geben
  • Zwei berechenbare Wochen liest du als zwei gute Wochen
  • Was andere Spaß nennen, klingt für dich manchmal einfach anstrengend

Du nimmst deine Freuden ruhig und tief: ein langes Abendessen, ein vertrauter Weg, ein zu Ende gelesenes Buch. Adrenalin ist ein Gewürz, das du selten bestellst.

Rund vier von zehn Profilen stehen im mittleren Band, wo der Appetit echt und zugleich stillbar ist. Ein Konzert, eine freie Strecke oder ein ungeplantes Wochenende tun ihre Arbeit, und danach sind zwei stille Wochen willkommen und nicht leer.

Niedrig, durchschnittlich und hoch folgen der Perzentilkonvention 30/40/30 aus Johnsons Normen. Ein hoher Wert ist eine Vorliebe für Intensität und kein Urteil über den Verstand eines Menschen, und nichts auf dieser Seite sagt, dass es im einzelnen Fall klug wäre, dem Appetit nachzugeben.

Wo die Werte tatsächlich liegen

Zehn Antworten ergeben einen Rohwert zwischen 10 und 50. Die Kurve unten stammt aus 135.947 abgeschlossenen Profilen der langen Fassung, und sie lohnt den getrennten Blick nach Geschlecht: Die beiden Kurven liegen nicht übereinander.

Wichtige Perzentile als Tabelle
PerzentilRohwert
1023
2528
5034
7539
9044

Die Hälfte der Männer fällt zwischen 29 und 40 Punkte, die Hälfte der Frauen zwischen 27 und 39, die Mediane liegen bei 34 und bei 33. Ein Perzentil vergleicht dich mit Menschen deines Geschlechts und Alters, die diesen Fragebogen im Netz ausgefüllt haben, also mit einer Gruppe, die sich selbst dafür entschieden hat.

Das Alter macht hier fast alles

Eine Zahl auf dieser Seite ist größer als alles Vergleichbare auf den anderen neunundzwanzig Facettenseiten, und sie gehört dem Alter.

Zwischen der Gruppe unter 21 Jahren und der Gruppe über 60 fällt diese Skala um rund 10 Punkte: Männer von 35,4 auf 26,1, Frauen von 34,8 auf 23,7. Keine andere Facette legt auch nur die halbe Strecke zurück, die nächststeile ist die Niedergeschlagenheit mit 4,2. Die ganze Extraversion verliert über dieselbe Spanne etwa 13 Punkte, und den größten Teil davon trägt diese eine Facette. Im Mittel kommen Männer auf 33,5 und Frauen auf 32,2.

Erlebnishunger neben den fünf Schwestern

Die Extraversion gibt eine einzige Zahl für sechs verschiedene Appetite aus, und dieser stimmt mit den übrigen am wenigsten überein. Im eigenen Haus hält er sich an die Geselligkeit mit 0,54 und an den Frohsinn mit 0,40, während seine kräftigste Bindung aus der Dimension hinauszeigt. Wie weit die restliche Verwandtschaft entfernt steht, zeigen die Balken unten.

HerzlichkeitGeselligkeitDurchsetzungsvermögenAktivitätErlebnishungerFrohsinn

Wo es im Alltag auffällt

Bei der Arbeit

Bei der Arbeit zeigt sich ein hoher Wert als Appetit auf die unsaubere Aufgabe: der Start, die Störung, der Kunde, für den sich sonst niemand meldet. Solche Aufgaben erledigt gut, wer keine Kraft darauf verwenden muss, wach zu bleiben. Die Rechnung landet auf der pflegenden Hälfte jeder Rolle, auf den Prüfungen und auf dem zweiten Jahr eines stabilen Projekts, wo die Aufmerksamkeit still abfließt. Ein niedriger Wert dreht beides um und hält genau dort durch, wo nichts mehr passiert.

Mit Menschen

In nahen Beziehungen taucht der Unterschied rund um Wochenenden und Urlaube auf und nicht an tieferer Stelle. Hohe Werte schlagen die Reise vor, buchen das Laute und wollen Gesellschaft dabei haben, was großzügig gemeint ist und für jemanden mit einem langsamen Samstag im Kopf gelegentlich anstrengend wird. Niedrige Werte geben einen festen Rhythmus, an dem sich gut wohnen lässt, und lesen fremde Unruhe leicht als Vorwurf an sich selbst.

In deiner Entwicklung

In der eigenen Entwicklung ist weniger wollen kein ehrliches Ziel. Auf kurze Sicht gehört dieser Appetit zu den störrischsten Dingen auf dieser Seite, und über Jahrzehnte sinkt er ohnehin von allein. Wählen lässt sich das Bett, in dem er fließt: ob der Zug in etwas geht, das eine Spur hinterlässt, oder in etwas, das bloß einen Abend füllt. Am unteren Pol läuft der nützliche Schritt in die andere Richtung und heißt, eine Gelegenheit anzunehmen, bevor sie bequem aussieht.

Lässt sich das verschieben?

Wie viel davon steckt in der Anlage? Zwillingsstudien landen bei den Big Five meist bei etwa der Hälfte der Unterschiede zwischen Menschen, und der größere Teil des Rests geht auf Erlebnisse zurück, die selbst Geschwister eines Hauses nicht miteinander geteilt haben. Damit bleibt reichlich Platz für Bewegung. Bei dieser Skala ist dieser Platz keine Theorie: Die Bewegung kommt bei fast jedem an, und sie kommt in eine Richtung.

Die Neigung ist steil und zeigt nach unten. In unseren Normen steht die Gruppe unter 21 Jahren rund 10 Punkte über der Gruppe über 60, der größte Altersunterschied unter allen Facetten des Tests. Das passt zu dem Muster, das die Forschung Reifung nennt: Der Appetit auf Intensität kühlt ab, während die Gewissenhaftigkeit zulegt. Gemessen wurden dabei verschiedene Menschen unterschiedlichen Alters und nicht ein einzelner Mensch über vierzig Jahre hinweg.

Was eine einzelne Zahl verschweigt, ist ihre Nachbarschaft. Hoher Erlebnishunger neben hoher Besonnenheit ergibt den sorgfältigen Planer gefährlicher Dinge, derselbe Wert neben niedriger Besonnenheit etwas ganz anderes. Genau solche Paarungen liest die bezahlte Auswertung.

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Wie der Wert zustande kommt

Die lange Fassung misst diese Facette mit 10 Aussagen, die kurze mit 4. Jede Antwort ist 1 bis 5 Punkte wert, invertierte Items werden vor dem Zusammenzählen gedreht, und die Summe zwischen 10 und 50 geht in die Normtabelle für dein Geschlecht und deine Altersgruppe, die daraus ein Perzentil macht. Alpha liegt bei 0,85 für zehn Aussagen und bei 0,74 für vier, das Kürzen kostet hier also mehr Genauigkeit als sonst im Test.

IPIP-NEO-300Aussagen: 10Zuverlässigkeit, Alpha 0.85Stichprobe: 135.947
IPIP-NEO-120Aussagen: 4Zuverlässigkeit, Alpha 0.74Stichprobe: 385.801

Alpha zeigt, wie gut die Aussagen einer Skala zusammenpassen. In der Forschung gilt ab 0,70 als solide. Wir haben diese Werte selbst aus den offenen Daten von Johnson berechnet, sie lassen sich mit den veröffentlichten vergleichen.

Die Aussagen selbst stehen absichtlich nicht auf dieser Seite. Wer die Items einer Skala vor dem Beantworten liest, antwortet anders, deshalb erscheinen sie erst im laufenden Test.

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Erst raten, dann nachmessen

Bei dieser Skala schätzen sich viele falsch ein, und meist in dieselbe Richtung. Setz den Regler dorthin, wo du dich neben anderen Menschen vermutest, mach dann den Test und sieh nach, wohin du danebenlagst.

50
Ruhig und beständigSucht den Kick
Deine Schätzung
50 von 100Durchschnittlich

0 heißt niedriger als fast alle, die den Test gemacht haben, 100 heißt höher als fast alle.

Das ist eine Schätzung, keine Messung. Der Test vergleicht deine Antworten mit Normen echter Menschen.

Häufige Fragen

Bedeutet ein hoher Wert, dass ich leichtsinnig bin?

Nein, und die Zahlen sind dabei deutlich. Intensität zu wollen und sich nicht bremsen zu können, sind zwei Skalen: Mit der Impulsivität hängt diese Facette zu 0,24 zusammen, mit der Selbstdisziplin zu minus 0,07. Der Wert beschreibt, was dich belohnt, und nicht, was du damit anstellst.

Warum sinkt der Wert mit dem Alter so stark?

Weil das Alter hier mehr bewegt als bei jeder anderen Facette. In unseren Normen steht die Gruppe unter 21 Jahren nahe bei 35 Punkten und die Gruppe über 60 nahe bei 25, während sich die nächststeile Skala des Tests um 4,2 verschiebt. Die übliche Lesart ist Reifung, unterstützt von Lebensumständen und Gesundheit. Gemessen wurden verschiedene Menschen unterschiedlichen Alters, das ergibt eine Tendenz und keine Vorhersage.

Ist das dasselbe wie Sensation Seeking?

Fast, und die Überschneidung ist Absicht. Sensation Seeking ist das ältere Konstrukt von Zuckerman und deckt mehr Boden ab: Nervenkitzel und Abenteuer, die Suche nach Neuem, Enthemmung und die Empfindlichkeit für Langeweile. Die Big-Five-Facette nimmt den Kern davon und stellt ihn in die Extraversion.

Warum kommen Männer bei dieser Facette höher heraus?

In unserer Stichprobe erreichen Männer im Mittel 33,5 Punkte und Frauen 32,2, ein Abstand von 1,3 Punkten auf einer Spanne von 40. Das ist eine von sechs Facetten unter dreißig, bei denen die Männer vorn liegen, und die einzige davon innerhalb der Extraversion, wo bei den übrigen fünf die Frauen führen. Der Abstand beschreibt Gruppenmittel und nicht zwei einzelne Menschen.

Wie unterscheidet sich das von der Extraversion insgesamt?

Die Extraversion ist die Dimension, dies eine ihrer sechs Facetten. Mit der Dimension hängt sie zu 0,66 zusammen und ohne sich selbst nur noch zu 0,48, die zweitlockerste Passung dieser Familie nach der Aktivität. Ein hoher Wert in der Dimension sagt deshalb wenig darüber, wie viel Nervenkitzel ein Mensch braucht.

Reicht die kurze Fassung mit vier Aussagen?

Benutzbar ist sie, deutlich schwächer aber auch. Wir haben Alpha mit 0,847 für die Fassung mit zehn Aussagen und mit 0,737 für die mit vier gemessen, auf den offenen Daten von Johnson. Ein Verlust von 0,11 gehört zu den größeren im Test, die lange Fassung ist die zusätzliche Zeit also wert.

Sieh nach, wie groß deine Dosis ist

Der lange Test misst alle dreißig Facetten, die kurze Fassung geht dieselbe Karte mit weniger Aussagen ab. Beide kosten nichts, und das Perzentil für diese Skala liegt zusammen mit dem übrigen Ergebnis bereit.

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