Was diese Skala liest
Die zehn Aussagen fragen nach gehaltenen Versprechen, nach Abmachungen, die den ersten Schwung überlebt haben, nach der Wahrheit an der Stelle, an der eine Lüge bequemer wäre, und nach Regeln, an deren Formulierung du nicht beteiligt warst. Keine einzige von ihnen fragt, ob die Verpflichtung es verdient hatte. Gemessen wird, wie stark der Zug an dir wirkt, und nicht, wohin er dich zieht.
Innerhalb der Gewissenhaftigkeit steht die Facette an dritter Stelle und läuft mit deren Gesamtwert zu 0,75 mit. Die anderen fünf beschreiben dich und ein Stück Arbeit: was du dir zutraust, wie du es ordnest, wie hoch du zielst, ob du dranbleibst und wie lange du vorher prüfst. Diese hier beschreibt dich und einen Menschen, der mit dir rechnet, und genau darum sitzt ihre engste Gesellschaft im ganzen Modell in einer fremden Dimension.
Was der Wert offen lässt, ist die Frage, wessen Verpflichtungen dich binden. Zwei Menschen auf derselben Höhe hängen an völlig Verschiedenem: an einem unterschriebenen Vertrag, an einer familiären Erwartung, die nie jemand ausgesprochen hat, an einer Berufsordnung, die sie mit lauter Fremden verbindet. Die Zahl sagt, wie fest die Leine hält. Woran sie befestigt ist, fragt der Fragebogen an keiner Stelle.
In der Fachliteratur behält die Skala meist den Namen Pflichtbewusstsein, dasselbe Gebiet taucht als Pflichtgefühl und als Verlässlichkeit auf. Die Aussagen stammen aus dem frei verfügbaren IPIP-Bestand von Johnson, ein geschützter Fragebogen ist daran nicht beteiligt.