Wonach die Skala Besonnenheit fragt
Die Skala misst den Abstand, den ein Mensch zwischen Antrieb und Ausführung lässt. Die Aussagen fragen, ob du kopfüber in Dinge hineingehst, ob Folgen vor der Wahl gewogen werden und ob dir das Erstbeste über die Lippen geht. Keine einzige fragt, ob die Entscheidung am Ende gut war. Gezählt wird allein, wie viel Überlegung vor den Schritt fällt.
Die Facette gehört zur Gewissenhaftigkeit, der Dimension des Planens und Zuendebringens, sitzt dort aber locker: Mit den übrigen fünf Schwestern zusammen kommt sie auf 0,54, eine der beiden schwächsten Bindungen innerhalb der Dimension. Ihre stärkste Verbindung im ganzen Test trägt ein Minus und liegt außerhalb: minus 0,57 mit dem Erlebnishunger, das sechststärkste Gegeneinander unter allen 435 Facettenpaaren.
Ein Wert beschreibt eine Grundeinstellung und keinen Nachmittag. Einen Mietvertrag liest jeder langsamer als eine Speisekarte, ganz gleich, wie der Charakter gebaut ist. Gefragt ist die Haltung, in die du zurückfällst, wenn nichts auf dem Spiel steht, und festgenagelt ist diese Haltung nicht: Zwischen unserer jüngsten und unserer ältesten Gruppe verschiebt sich unter dreißig Facetten allein die Selbstdisziplin weiter als diese hier.
Im Fachschrifttum heißt dieselbe Skala Deliberation, im Deutschen oft Bedachtsamkeit; benachbarte Arbeiten sprechen vom reflexiven gegenüber dem impulsiven Entscheidungsstil. Der Wortlaut hier gehört zum frei nutzbaren IPIP-Pool in der Fassung, die Johnson herausgegeben hat.